Die Fraktion Piraten & Volt kritisiert die Verkehrsplanung des zukünftigen Heiligkreuz-Viertels. Nach aktuellem Planungsstand ist davon auszugehen, dass das Heiligkreuz-Viertel sehr viel zusätzlichen Autoverkehr produzieren wird. Bei 2.000 geplanten neuen Wohnungen und aktuell 0,9 Autos pro Mainzer Haushalt (1) könnte das zukünftig 1.800 zusätzliche PKW für Mainz bedeuten. Trotz einiger Bemühungen der Stadt, den ÖPNV und das Rad attraktiver zu machen, stagniert der Autoverkehr innerhalb der Stadtgrenzen (Binnenverkehr) seit 2016 bei 32% (2). Jetzt entsteht mit dem Heiligkreuz-Viertel ein neues Wohngebiet das auf der Webseite (3) mit der guten Autobahnanbindung beworben wird. Gleichzeitig wurde eine Straßenbahn für eine bessere ÖPNV-Anbindung, laut Verkehrsdezernentin Katrin Eder, erstmal nicht bedacht.

In der gemeinsamen Sitzung von Verkehrsausschuss und den Ortsbeiräten Hechtsheim, Oberstadt und Weisenau wurde am Mittwoch, den 22. Januar, das Verkehrskonzept für das Heiligkreuz-Viertel vorgestellt. Unser Mitglied im Verkehrsausschuss, Tilman Potthof, hierzu:

Die Stadt hat sich Gedanken gemacht, wie sie die Zunahme des Autoverkehrs abschwächen kann. Gerade die Maßnahmen um Durchgangsverkehr zu verhindern, schaffen Lebensqualität für die zukünftigen Anwohner*innen. Andererseits wurde die Chance verpasst, aus dem Heiligkreuz-Viertel ein Modellprojekt für ein wirklich autofreies Wohnquartier zu machen. Für zukünftige Wohnprojekte fordern wir mehr Mut und Weitsicht.

Die Fraktion Piraten & Volt ist der Überzeugung, dass ein autofreies Wohnquartier die Lebensqualität erhöht und Menschen anzieht, ohne weitere Autos in die Stadt zu bringen. Zusätzlich wäre es besonders attraktiv für junge Familien, die sich vor der Haustür keine Sorgen um die Unfallgefahren von Autos machen müssten. Daneben sollte die Sozialverträglichkeit der Baukosten nicht außer Acht gelassen werden, denn die vorgeschriebenen Stellplätze sollen im Heiligkreuz-Viertel über Tiefgaragen realisiert werden. Tiefgaragen verteuern Baukosten laut einer Hamburger Studie im Jahr 2017 um 6-10% (4).

Gleichzeitig gibt es in Europa seit über 20 Jahren funktionierende Vorbilder für autofreie Wohnviertel. Selbst in Deutschland gibt es trotz der Stellplatzverordnungen viele Vorbilder, wie die Saarlandstrasse in Hamburg-Barmbek oder das Stellwerk 60 in Köln Nippes. Das Stellwerk 60 wurde von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen des Projektes „Qualitätsoffensive für Familien in Städten und Gemeinden“ ausgezeichnet. Mit mehr Mut wäre auch ein solches Projekt in Mainz möglich gewesen.

1 Zugelassenen PKW in Mainz: 99.401 laut Bestand an Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern am 01. Januar 2019 und Wohnhaushalte in Mainz (Stand 1. Januar 2019): 113.001 laut Statistische Informationen zur Stadtentwicklung 2018
2 Ergebnisse der Mobilitätsbefragung 2019, die mündlich im Verkehrsausschuss am 22.10.2019 vorgetragen wurde
3 https://www.heiligkreuz-viertel.de/stadtviertel/standort/
4 Gutachten zum Thema Baukosten in Hamburg